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Öko-Tacho fürs Armaturenbrett im Auto!

Fahren Sie, geschätzte Leserin, werter Leser, Auto? Wissen Sie, wieviel Kohlendioxid,
Stickoxid und Feinstaub Sie dabei rausblasen? Keine Ahnung? Das ist normal, jedoch
alles andere als egal. Nicht von ungefähr sind die EU-Umweltminister nach dem jüngsten
Klimaratsbericht zuallererst beim Autoverkehr auf die Abgasbremse gestiegen. Bis 2030,
also in zwölf Jahren, müssen Autos in der EU um 35 Prozent weniger Schadstoffe in die
Atmospäre ablassen. Das ist schon einmal ein Klimahebel. Immerhin ist der Straßenverkehr
Österreichs größter Treibhaushgasverursacher – und nicht nur hier. In den hochmotorisierten westlichen Industrieländern gehen 30 Prozent der Klimakiller auf sein Konto. Autosmog kostet mehr Menschenleben als Autounfälle.
Um dem letzten Weckruf der Klimaforschung vom 9.Oktober 2018 gerecht zu werden,
braucht es hier meines Erachtens neben der beschlossenen 35-Prozent-Drosselung zwei
weitere Schritte der EU: Erstens eine verpflichtende Abgasanzeige auf jedem Amaturenbrett
bzw. Steuerungsboard im Auto. Nennen wir es einen Öko-Tacho. Parallel zur Fahrge-
schwindigkeit zeigt er die jeweilige Abgasmenge an, die übern Auspuff rausgeht. Das ist
technisch keine Hexerei und macht die Schadstoffe, die man am Lenkrad ja kaum mitbekommt,
schlagartig bewusst. Und sobald das sichtbar und damit zum Thema wird, wächst die persönliche
Verantwortung fürs Klima automatisch. Pro verbranntem Liter Benzin bleiben 2,5 Kilogramm CO²
in der Luft; beim Liter Diesel sind’s gar 3,1 kg (Quelle: Europ.Umweltagentur). Kilogramm bitte!
Der zweite Schritt sollte eine EU-weite Kfz-Steuerbefreiung sein, sobald man zB. weniger als ein
Kilo CO² pro Liter ausstößt. Die Briten haben ein derartiges Anreizsystem für Spritsparer bereits.
Klimaschutz ist keine Spintisiererei, sondern akuter Lebensschutz.

(veröffentlicht auch als Leserbrief  in den „Salzburger Nachrichten“ vom Samstag ,22.Oktober 2018)

Tue Gutes und berichte drüber

Habt ihr gewusst, dass Avocados alles zerstören da, wo sie angebaut werden? Die so gesunde Superfrucht, supervegan, supervielseitig und sonst noch allerhand verwüstet aufgrund ihres exorbitanten Wasserbedarfs alles Land, wo sie wächst. „Ein einziger Avocadobaum saugt in etwa so viel Wasser aus dem Boden wie 40 Pinien“, brachte die „Süddeutsche Zeitung“ vergangenes Wochenende eine Reportage über den grünen Popstar der Millenials-Generation in auf den Punkt.

So geht’s uns mit vielem. Eltern, Freunde und Werbung preisen was an als in jeder Hinsicht bedenkenloses Must-have, Must-do. Doch bei näherem Besehen entpuppt sich die Sache als fauler Zauber. Worauf ich hinaus will? Überprüfen wir doch unser Verhalten gründlicher! Persönlich, in der Familie und im Unternehmen, dem wir unsere Arbeitsenergie anvertrauen. Ein Kriterium, wo es immer mehr gilt kritisch zu sein, ist der Klimaschutz. Klimaschutz heißt Lebensschutz schon für uns und ganz besonders für unsere Nachkommenden. Eine Nachhaltigkeitsbilanz kann da sehr wirkungsvoll sein: Sich hinsetzen und aufschreiben, wo man die Umwelt schont und wo man sie belastet. Persönlich, als Familie, als Betrieb. Ehrlich und mit dem Willen, sich bei der Nase zu nehmen, Vorbild zu sein. Der erste Effekt ist immer ein Erstaunen übers eigene Umweltbewusstsein – positiv wie negativ.

Ich bin Journalist mit ökosozialer Ader und jahrzehntelanger Übung. 1986 habe ich am ersten Umweltweißbuch für Österreich mitgewirkt, „Öko-Insel Österreich?“ (Böhlau-Verlag). Drei Jahre später schrieb ich im Nachrichtenmagazin „profil“ die erste bahnbrechende Titelgeschichte zum Klimawandel mit. Titel: „Die Klimakatastrophe“. Jetzt verfasse ich Nachhaltigkeitsberichte für Klein- und Mittelbetriebe, die Verantwortung für eine enkeltaugliches Umwelt- und Sozialklima übernommen haben und dies auch zeigen wollen. Devise: Tue Gutes und berichte drüber.

Bei mir hat’s spätestens bei der Geburt meiner Tochter vor elf Jahren Klick gemacht. Damals habe ich mich gefragt, wie ich ihr und meinen zwei anderen Kindern ein nachhaltig verantwortungsvoller Vater sein kann. Ich habe meinen Alfa verkauft und lebe ohne Auto. Ich nütze ganz Öffis, fahre Rad und gehe. Mein Wohnhaus ist seit zwölf Jahren Öl-befrei; wir heizen mit selbstproduzierter Sonnen- und Erdenergie. Ich esse weniger und das aus regionaler Produktion. Fleisch ist zur Ausnahme geworden.

Nachhaltigkeitsbilanz als Ritterschlag

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist mehr als eine CO²-Bilanz. Gut gemacht, wird er zum unternehmerischen Ritterschlag. Nach internationalem Standard hat er drei Kapitel: Erstens ein Unternehmensportrait (Branche, Größe, Eigentumsverhältnisse, Investitionspolitik…), zweitens ein Sozialprofil (Gehaltssituation, Betriebsklima, Geschlechterverhältnis…) und drittens eine Öko-Bewertung bei Material/Abfall, Energie, Wasser und Mobilität. Viele der Daten schlummern in den Firmencomputern und brauchen nur gehoben zu werden. Anderes lässt sich durch Interviews und Analysen professionell erheben.

Unternehmen ab 500 Mitarbeitern schreibt die EU einen jährlichen „nichtfinanziellen Bericht“ seit 2017 vor. Viele sehen das als lästige Pflichtübung und hängen sie kurzerhand ihren Marketing- und PR-Abteilungen um. Das Ergebnis sind mehr oder minder beweihräuchernde Broschüren bzw. Homepage-Files. Das Konzept, das die EU verfolgt, geht weiter und wird weitergehen. Es geht um soziale und ökologische Transparenz in der gesamten Wirtschaft, vom Konzern bis zum KMU. Der Stein rollt und ist wohl nicht mehr zu stoppen. Kunden und Partner werden den Bericht einfordern. Ein wichtiger richtiger Schritt wäre freilich, den Außenblick zuzulassen, kritische Geister heranzuziehen, die nicht im Betrieb angestellt sind, den sie bewerten, also nicht die eigene PR-Garde. Es geht auch darum, weitergehende Ziele und deren Umsetzung zu definieren. Go out of the box! Ein solcher Bericht adelt, schafft Vertrauen, bringt neue Sichtweisen, Kunden und Wettbewerbsvorsprung – und verbannt faulen Zauber a la Avocados aus dem Alltag.

 

Guerilla-PR für eine gute Sache

„Krone“-Fotoshooting mit Vertretern der Schule und Chefin des Sponsors Isocell

 

Die Salzburger Landwirtschaftsschule Ursprung hat im Zuge eines Maturaprojekts Dämmwolle aus Zellstoff (=Zeitungspapier) zu Dünger weiterverarbeitet. Dämmstofferzeuger Isocell aus Neumarkt am Wallersee unterstützt das Projekt. In regionalen Medien ist das Thema etabliert. Der Auftrag von Isocell an mich war, den Zellstoffdünger in einem bundesweiten Medium zu platzieren. Hintergrund ist das laufende Zulassungsverfahren beim Ministerium für Umwelt und Leben.

Mein Hebel war Österreichs absolutes Massenblatt, die „Kronen Zeitung“ und deren Umweltredakteur Mark Perry. Es hat funktioniert. Ende Mai ’17 hängte er eine zweiseitige Umweltreportage an der Dünger-Initiative der Landwirtschaftsschüler auf (siehe Anhang).

Zwei Tage später reichte die „Krone“ einen vereinbarten Leserbrief von mir als Seitenaufmacher nach, worin ich dem Blatt und seinem Umweltredakteur eitel Lob spendete, um im nächsten Absatz meinen Kunden Isocell herauszustreichen.

Das als Beispiel für Guerilla-PR. Für die gute Sache war ich da nicht zimperlich und reklamierte mich in die (an sich verabscheute) „Krone“-Leserbriefseite. Immerhin ist sie eine der meistgelesenen Rubriken.

Politische Utopien jenseits des Kapitalismus

Die Verlagswelt scheint nur noch von Dystopien zu leben. Vier druckfrische Titel namhafter deutschsprachiger Autoren zeigen das: „Europa in der Krise“, „Die letzten Tage Europas. Wie wir eine gute Idee versenken“, „Die Menschheit schafft sich ab“ und „Die Welt aus den Angeln“. Andere Einschätzungen scheint es kaum mehr zu geben auf den aktuellen Büchertischen. Dass Terror, Kriegsexzesse (beileibe nicht nur in Syrien), Naturkatastrophen und Politrabauken wie Donald Trump, Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Marine Le Pen, Nicolas Maduro oder Kim Jong Un objektiv die Ereignisse in der Welt dominieren, unterstreicht: So kann es nicht weitergehen! Es braucht eine Politik des gemeinsamen Ganzen und nicht von (lobbyistisch gepushten) Partikularinteressen.

Da war es erfrischend, dieser Tage die Wiener Politologin Tamara Ehs (im Bild) zu hören. Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschafterin – Jahrgang 1980 – arbeitet u.a. über Politische Utopien jenseits des Kapitalismus, welcher seit dem Ende des Sowjetsozialismus 1989 die Welt beherrscht. Manche bejubeln die privatwirtschaftliche Profitmaxime als das Ende der Geschichte, als die Krönung menschlicher Entwicklung. Als ob wir es nicht von Anfang an besser wissen hätten müssen, zeitigt genau dieses kurzsichtig-primitive Vorteils- und Bequemlichkeitsstreben einen Gutteil der oben skizzierten Dominanzen. Volkswirtschaftlich beobachten wir nachweislich eine immer größere Spreizung zwischen Situierten und Elenden, und zwar weltweit. Zweitere als schweigende Mehrheit nützen Extrempopulisten als Ventil. In den Worten von Dr.Ehs: Die Extrempopulisten geben Unterprivilegierten das „Gefühl der Sichtbarkeit, Identität, Gleichheit, ein Sinn- und Machtgefühl“. Gemeinsam zeigt man’s „denen da oben“.

Ehs hält breite Partizipation in Form etablierter Bürgerräte für den konstruktivsten Ausweg. Die antiken Griechen regierten ihre Stadtstaaten bereits mit ausgewählten Bürgerräten auf Zeit. Thomas Morus greift in seiner „Utopia“ von 1516 das Modell wieder auf. In Irland bereitet ein Council aus 99 demographisch ausgewählten Bürgern seit 2012 regelmäßig die Basis auf für Verfassungsthemen wie derzeit die Abtreibungsbestimmung. Ausgehend von der „Planungszelle Wuppertal“, nützen seit den 1970ern Gemeinden und Länder auch im deutschsprachigen Raum das Lösungspotenzial repräsentativ ausgesuchter Bevölkerungsvertreter. Vorreiter in Österreich ist Vorarlberg (vermutlich wegen der Schweiz-Nähe und deren repräsentativen Demokratie). Organisationsberater und Bürgerräte-Pionier  Jim Rough hat es dort etabliert so wie an vielen anderen Orten. Seine „Wisdom Councils“ kommen mit zwölf Volksrepräsentanten aus (wie zwölf Geschworene, die zwölf Apostel…). Die Ergebnisse der modellhaften Beteiligungsgruppen bringen in der Regel mehrheitsfähige Durchbrüche, die auch halten.

Mir schwebt die Etablierung von Bürgerräten im Zuge des Kulturhauptstadtprojekts Salzburg2024 vor. Auf Bundesebene befürworte ich die Idee (Utopie), den Bundesrat durch einen  Bürgerrat auf Zeit zu ersetzen. Das würde wenigstens die zweite Kammer repräsentativer machen. Sonst sitzen auch dort nur Beamte und sonstige Privilegierte mit Parteinähen, die ein kleiner Politklüngel dafür auserkoren hat. Berichte mir Nahestehender über die gängige Praxis der Listenerstellung vor Wahlen lassen grausam tief in eitle Machtseelen blicken.

Bürgerräte sind freilich eine schwache Alternative, solange der Staat das Wirtschafts- und Finanzmonopol behält. Erst wenn Investitions-und Steuerentscheidungen aus den Ministerkanzleien hinauswandern in repräsentative Beteiligungsgruppen – zumindest flankierend -, ergibt das demokratischen Gewinn.

Dem Argument, (Neue) Medien würden als Vierte Macht stark genug sein als Gegengewicht, halte ich fehlende Repräsentation und schwindende Unabhängigkeit entgegen. In den wirtschaftlich bedrängten „alten“ Medien Print, TV und Radio haben Insertionskunden zunehmend das Sagen; sie werden als Stakeholder hofiert und gewogen gehalten. Sogar Wissenschaftsredakteure sind von ihren Verlegern nachweislich aufgefordert, bei ihrer Themenwahl Anzeigenkunden zu bevorzugen. Die vergleichsweise billigen „neuen“ Medien Facebook, WhatsApp, Twitter etc. wiederum sind willkommene Spielwiesen für Populisten (Trump!). Der Zyklus der manipulierten Verdummung lässt sich dort im Knopfdrucktempo steuern ohne zu großen Widerspruch. Es regt auch kaum mehr auf.

Referenden zu forcieren wie in der Schweiz ist ebenfalls fragwürdig. Referenden sind Heimspiele für Demagogen. Wie gerade die Schweiz zeigt, gewinnt dort durchwegs das (finanzkräftigere) Establishment. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel nur.

Um es sinngemäß mit Tamara Ehs zu sagen: Es braucht Utopisten und deren frische Ideen. Sie trainieren den Möglichkeitssinn.

Umerziehungs-Unternehmen

Deutschlands führender Managementberater Reinhard K. Sprenger (*1953, „Mythos Motivation“, „Das anständige Unternehmen“) beschreibt in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard neoliberale – freilich als „anständig“ getarnte – Betriebskulturen. Man denkt sich, das kommt einem verdammt bekannt vor:
„Unternehmen agieren zunehmend, als seien sie Kirchen oder Umerziehungsheime. In der Logik der Vorsorge – der Zukunftsvorsorge, der Risiskovorsorge, der Gesundheitsvorsorge – machen sie durch vielfältige Prozeduren den Mitarbeiter zum Objekt, das ’noch nicht‘  ist, noch nicht ganz vollständig, noch nicht perfekt. Viele Institutionen – und das ist das perfide Verdrehte und Verwirrende daran – maskieren sich dabei mit Menschenfreundlichkeit und Vernunft. Wer mag noch gegen den Feedbackterror die Stimme erheben, gegen die Frauenquote, gegen die obszönen Mitarbeiterbefragungen, gegen den Du-Zwang, gegen die Infantilisierung von Erwachsenen, die sich heute ‚Coaching‘ nennt? Umzingelt von fürsorgenden, hilfreichen und wohlmeinenden Institutionen geben viele Menschen völlig freiwillig und arglos ihre Freiheit zugunsten eines Optimierungstraumes auf, aus dem sie vielleicht nicht mehr erwachen werden. Oder eben doch, wenn wir den Anstand durch Abstand wieder ernst nehmen.“

Wer gut und glücklich alt werden will…

… wer gesund und glücklich alt werden will, sollte früh damit anfangen, sieben L zu befolgen, nämlich

L wie laben, d.h. sich regelmäßig, ausreichend und abwechslungsreich zu ernähren; nicht zu vergessen auf viel Flüssiges, schließlich besteht der Körper zu fast 70 Prozent aus Wasser.

Zweites L wie laufen, sich sooft wie möglich schweißtreibend, jedenfalls anregend bewegen. Kommt der Körper in Schwung, wird automatisch auch der Geist bewegt.

Drittes L wie lieben, Freundschaften aufbauen und pflegen bis hin zu leidenschaftlichem Sex.

Viertes L wie lernen ein Leben lang, was auch immer.

Fünftes L wie laborare, also arbeiten, worin man Sinn und Aufgabe sieht, egal ob bezahlt oder nicht.

Sechstes L wie lachen, vor allem über seine eigenen Unzulänglichkeiten; nicht alles gleich tragisch nehmen, immer wieder die Chancen erkennen.

Das siebte L steht für langsamer. Weniger ist meist mehr.

(Notiert im Anschluss an einen Vortrag des Salzburger Gerontikers Univ.Prof. Günter Lepperdinger, wobei der sich auf die vier ersten L beschränkt hatte. In der Diskussion darüber sind wir dann auf drei weitere L gekommen. Die Reihenfolge ist eher beliebig, bedeutet keine Wertung.)

Journalismus ist Mut-Arbeit

Nach dreißig Jahren Journalismus und beim Aussortieren meines entsprechend umfangreichen Archivs ist mir der Gedanke gekommen, was wirklich gut dabei war.

Das Fazit beschränkt sich auf einen kurzen Satz:

Journalismus ist das, was Mut erfordert, es auszurecherchieren und auch es zu veröffentlichen; alles andere ist gefällige PR.

PS: Ich freu mich, hierin mit der Literaturikone Aldous Huxley (1894 – 1963, „Brave New World“) übereinzustimmen. Wie mir ein Bekannter erzählt hat, ist er auf eine ähnliche Definition gekommen.

Die miese Moral beim Handykauf

Das wird eine öffentliche Beichte. Sie beginnt damit, dass dieser Tage mein iPhone bei einer Bergtour komplett zerborsten ist. Beim Aus- und Umziehen am Rastplatz hoch droben hatte ich es kurzerhand in die Gesäßtasche gesteckt. Als ich beim Abstieg dann ausrutschte und es mich auf den Allerwertesten setzte, zermalmte ich das Telefonkastl zwischen dem Geröll und demselbigen. Das Ding war buchstäblich im A…

So musste unversehens ein neues Handy her. Das bescherte mir über Nacht die pure Qual der Wahl. Denn nicht nur die technische Spezifikation – wovon ich wenig verstehe – war das Problem, sondern die moralische Seite: Die infrage kommenden Hersteller haben rekordverdächtige Sündenregister. Wer also ein Handy kauft, wählt nicht mehr nur Pest oder Cholera, sondern beides zugleich, Pest und Cholera.
Da ist einmal Samsung. Einer der weltgrössten Rüstungskonzerne. Dazu Petrochemieriese. Für einen ökosozial Gesinnten wie mich ein zweifach absolutes no-go! Die Handysparte ist ein Nebenprodukt der Überwachungs- und Waffentechnologie der Südkoreaner. Da überrascht es wenig, dass 2005 ein Korruptionsskandal beispiellosen Ausmasses rund um Samsung aufgeflogen ist mit nachweislich 280 hochkarätigen Namen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf der Empfängerliste (z.T. Gehaltsliste). Die Skandalliste geht noch weiter. 2010 fasste Samsung von der EU eine Preiskartellstrafe in Höhe von 145 Millionen € aus. Auffallend sind auch die miserablen Arbeitsbedingungen, genauer gesagt, die Gesundheitsvorkehrungen bei Samsung. Sie haben gehäufte Blutkrebsfälle unter der Belegschaft zur Folge. Greenpeace charakterisiert Samsung in dem Zusammenhang als „eines der schlimmsten Unternehmen der Welt“. Und dabei haben wir von der brandgefährlichen Galaxy7-Serie noch gar nicht gesprochen, die Samsung heuer zu einer weltweiten Rückrufaktion gezwungen hat. Peinlicher geht kaum.
Also Samsung no-go.

Pest und Cholera, die Nächste = Apple. Da schrillen meine Alarmglocken beim Thema Steuergerechtigkeit. Die geviften Amis haben es geschafft, bei 16 Milliarden € Jahresgewinn die Steuerlast auf 0,005 Prozent zu drücken. Mit billig-opportunistischer Handlangerschaft der irischen Regierung versteuerte Apple laut EU-Kommission bloß 50 Millionen € an Jahreseinnahmen. 2014 entsprach das den genannten obszön niedrigen 0,005 Prozent der tatsächlichen Rendite. Die EU hat Apple zwar unter dem Aufschrei der Steuergerechten heuer zu 13 Milliarden € Steuernachzahlung verdonnert, doch ob Apple die Summe je wird leisten müssen, bleibt fraglich. Zum einen haben die kalifornischen Steuerjongleure wenig Reue gezeigt, und auch in Irland fehlt es einer breiten Mehrheit an nötiger Einsicht.

Die Verkäuferin im Handy-Shop empfiehlt mir Huawei. Hauptsache nicht Samsung und Apple, denke ich mir und greife zu. Bei der Nachlese im Web muss ich freilich bemerken, einen schmutzigen Griff getan zu haben. Der staatsnahe chinesische Technologiemulti steht unter dringendem Dauerverdacht der Spionage; die Datensicherheit der Handys gilt als eine der schlechtesten am Markt. Dazu kommen ebenfalls Korruptionsschlagzeilen sowie mysteriöse Selbstmordserien unter den Mitarbeitern infolge willkürlicher Kündigungen. Nicht zuletzt soll es bei Huawei Kinderarbeit geben bzw. gegeben haben. Der Konzernboss gilt als unverbesserlicher Maoist, soll auch bevorzugt im Mao-Outfit auftreten.

Also ebenfalls no-go. Ich hab das Huawei zurückgegeben, dabei einen empfindlichen Preisverlust in Kauf nehmend, und mir doch wieder ein iPhone zugelegt in der Hoffnung, dass die Amis ihre selbstkonstruierte Steueramnestie aufgeben und zahlen, was angesichts ihrer satten Gewinne gebührt. Solange nütze ich das Telefon mit Skrupeln, aber ich nütze es schon wegen der nützlichen iCloud. Doch ich appelliere sehr an die EU: Kommission halte im Steuerkampf mit Apple durch!

Klappe ab! Ich mach Film

Mein Filmerstling ist bereits abgedreht und wird Anfang November 2016 hier gepostet. Es ist eine Acht-Minuten-Doku zum Pro & Contra „EU-Kulturhauptstadt Salzburg 2024“. Die Collage aus Opinion-Leader-Statements und Straßenbefragungen hat die Debatte neu befeuert, die Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden beim ersten öffentlichen Aufflackern vor zweieinhalb Jahren mit seinem „Njet“ gleich wieder abzuwürgen versucht hatte („zu teuer, brauch ma net“). Angestoßen durch das Video veranstaltet der Salzburger Kultur-Dachverband Anfang November eine Pressekonferenz. Es ist zumindest der Versuch, den nötigen Lebenskultur-Diskurs zu retten, den eine Kulturhauptstadt-Bewerbung mit sich brächte. Was sind Salzburgs Identitäten, wohin soll sich die Region entwickeln? Die Idee sind Zukunftswerkstätten anzustoßen, die im Erfolgsfall Leuchtturmprojekte an kultiviertem Zusammenleben im Herzen Europas hervorbringen. Die sich auch an die Frage heranwagen eines Post-Festspiele-Salzburg. Nichts hält ewig…

Der Film, bei dem ich mit Markus Bachofner (Technik) und Josef Klieber (Organisation, Studio) zusammengearbeitet habe, entstand als Abschlussprojekt einer Video-Intensivschulung („Der Weg zum Oscar!“) an der  Universität Salzburg im Sommersemester 16. Er avancierte rasch zum Vorzeigeprojekt der Lehrveranstaltung, und die abschließende Note war tatsächlich eine glatte Eins. Das motiviert, hier weiterzumachen. Ich will Themen für Dokumentationen aufspüren, Auftraggeber finden, Drehbücher verfassen und Regie führen. 2017 mach ich ernst damit. Derzeit knüpfe ich erste Netze dazu in die Filmszene. Auch dieses Feedback ist ermutigend. Journalisten, die Stories liefern, sind offenbar rarer als Kameraleute und Schnittmeister.

Die einleitend genannte Sperrfrist ist übrigens der Dachverbands-PK geschuldet; als Medienprofi steche ich das Video vorher nicht ab.

Obergrenze für Waffenexporte!

Vor der Umsetzung einer nationalen Obergrenze für den „Import“ von Asylsuchenden drängt sich mir die Forderung nach einer Obergrenze für den Export österreichischer Kriegsgeräte auf. Laut Außenministerium liefern rot-weiß-rote Waffenschmieden wie Steyr Mannlicher und Glock pro Jahr Panzerfahrzeuge, Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, Munition und Militärsoftware im Gesamtwert von rund zwei Milliarden € aus. Im Vergleich zu den globalen Rüstungsgroßmächten USA, Russland und China mag das eine geringe Summe sein; in Österreichs Hauptwaffenabnehmerregionen,  nämlich dem Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika und der Südlichen Sahara, jedoch zählt unsere kleine Republik zu den Waffenriesen. Amnesty International nennt dort Österreich in einem Atemzug mit den USA, Russland und Frankreich. Dass das neutrale Österreich nicht direkt in die Kriegsgebiete liefern darf, ist kein Hindernis. Die Waffen(-systeme) „Made in Austria“ gelangen dann eben über Schutz- und Schleusenmächte wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain in die Hände von IS-Milizen und anderen Kriegsparteien. Auf aktuellen Bildern aus Syrien zeigen Soldaten stolz ihre Steyr Mannlicher-Machinengewehre her. Österreich war bekanntlich neben Italien das einzige EU-Land, das an Syrien bis Kriegsausbruch 2011 Waffen geliefert hat. Das heißt, Österreichs kleine, feine Waffenbranche bereichert sich mehr oder weniger unmittelbar an den Tragödien in den arabischen Räumen, die Abermillionen in die Flucht treiben! Wer Kriegsgerät sät, erntet nun einmal Tod, Terror und Vertreibung.

Es stünde unserer Regierung also gut an, sich mit einer Begrenzung dieses blutigen Geschäftsfelds zu befassen. So sollten Exprte kriegsrelevanter Waffen sonderbesteuert werden mit Zweckbindung für die Flüchtlingsbudgets. Die Waffen-Arbeitsgemeinschaft ASW der Wirtschaftskammer sollte aufhören, Türöffner zu spielen. Das sollte die betroffene Industrie antreiben, ihr Knowhow in zivile Technologien zu investieren. Das würde Österreich mindestens soviel Beachtung bringen wie seine Flüchtlingsobergrenze.